Ist Höflichkeit aus der Mode gekommen?

Ich steuere zielstrebig auf das Parkdeck zu, stoße die Schwingtüre des Einkaufszentrums auf. Zeitgleich drehe ich reflexartig den Kopf, um zu sehen, ob mir jemand folgt. Eine ältere Dame nähert sich, ist aber noch ein paar Schritte entfernt. Also bleibe ich stehen und warte, während ich ihr die Tür aufhalte. Sie legt einen Schritt zu, worauf ich ihr sage, dass ich keine Eile hätte und sie sich Zeit lassen kann. Sie bedankt sich mit den bedenklichen Worten „Vielen Dank. Das ist heute aber selten, dass einem ein junger Mann die Tür aufhält.“

Obwohl ich mit fast 40 vom Adjektiv jung sehr geschmeichelt war, machte mich der Satz doch ein wenig nachdenklich. Natürlich habe auch ich das Benehmen nicht erfunden, den Knigge nicht auswendig gelernt, aber so ein paar grundlegende Punkte in Sachen Höflichkeit halte ich einfach für ganz normal. Bin ich da einfach zu altmodisch? Hält man heute keine Türen mehr auf (egal, obwohl Weiblein oder Männlein folgt)? Lässt man Damen nicht mehr den Vortritt? Was wurde dann aus „Ladies first.“? „Emanzen last!“? Bitte und Danke bekommen die meisten Mitmenschen ja scheinbar noch hin. Aber hört es dann auch schon auf?

Wie seht ihr das Thema Höflichkeit? Wo sind eure Grenzen?

9 Gedanken zu „Ist Höflichkeit aus der Mode gekommen?“

  1. Ich mach das auch, egal ob junge oder alt… ich finde das gehört sich so. Frage im Flieger auch immer ob die anderem am Fenster sitzen wollen, biete im Bus (Shuttlebus Flughafen) Sitzplätze an… warum? Weil ich hoffe, dass ich wenn ich alt bin (also so alt bin wie ich aussehe) auch mal in den Genuss kommen kann….

  2. Es ist leider oft so, dass solche Werte heute nicht mehr so präsent sind wie früher. Ich hatte allerdings auch mal ein Erlebnis der anderen Art, als ich einem vermeintlich Blinden mit Armbinde, Blindenhund und Stock helfen wollte, in die Bahn zu kommen und dieser mich lauthals anschrie: „ICH KANN DAS ALLEINE!“ Die Bahn ist ihm dann doch vor den Füßen weggefahren, weil er zu langsam war…aber gut, er konnte es ja alleine.

    Ich finde es allerdings schön, wenn Kinder, Männer, Frauen, Haustiere und was auch sonst noch, Anstand und Höflichkeit besitzen!

  3. Interessantes Thema. Die Monotonie der folgenden Kommentare dürfte aber klar sein, denn es werden sich ganz sicher nur diejenigen melden, für die sowas selbstverständlich ist. Vermutlich wird keiner scheiben, dass ihm seine Mitmenschen scheissegal sind und er nie benehmen gelernt hat.
    Wage ich mal zu behaupten…

  4. Vielleicht hätte ich die Frage anders formulieren sollen? Wo zieht man persönlich die Grenze? Hilft man Damen noch aus dem Mantel? Zahlt man ihr Essen mit? Oder ist das heute alles vom Tisch?
    Wie überholt sind die alten Benimmregeln?

  5. Ich denke, man sollte das trennen in das Verhalten bei Fremden (zB alle, deren Namen man nicht kennt) und das Verhalten bei Menschen, die man kennt. Mit letzteren kann man offener darüber sprechen (zB wer die Rechnung bezahlt oder ob es gewünscht ist, in den Mantel zu helfen usw).
    Fremde würde ich grundsätzlich zuerst fragen, bevor ich meine Hilfe bei etwas anbiete (Auto aus der Lücke winken, Ömchen über die Straße helfen). So kann man es vermeiden, etwas zu tun, was demjenigen dann doch nicht recht wäre, zB weil er es unangenehm findet, auf Schwächen aufmerksam gemacht zu werden…
    Patentrezepte gibt es mMn nicht. Für mich hat Höflichkeit etwas mit Moral zu tun und das ist nunmal eine höchst subjektive Sache.

  6. man kann es mit Höflichkeit auch übertreiben. aber die Basis sollte jeder Mensch im Leben mitbekommen haben;-( Ergo: tue Gutes und sei höflich. Höflichkeit ist ein Zeichen von Respekt und da ist das Alter worscht. zulutzrüberschiel;-))

  7. Ja, es ist scheinbar wirklich aus der Mode gekommen. Stört mich aber nicht, ich mach es trotzdem und halte Türen auf oder helfe mal der Mutti mit Kinderwagen in den Bus etc. Ist immer interessant zu beobachten, wie die Leute im ersten Moment verwirrt reagieren (weil sie es nicht gewohnt sind) und ihnen dann ein dankbares Lächeln über die Lippen huscht. Und das verschämte Weggucken derer, die nicht geholfen haben, weil sie so taten, als hätten sie nichts bemerkt, ist mir immer ein zusätzlicher Ansporn 😀

  8. Ich finde es wirklich furchtbar, wenn Leute nicht Bitte und Danke sagen können. Es gehört für mich zum guten Ton. Ebenfalls das Tür-Aufhalten mache ich auch bei Kommilitonen, die ich nicht kenne, denn ich weiß, wie blöd es ist, wenn die schweren Schwingtüren auf einen zufallen.
    Beim Radfahren bedanke ich mich, wenn Leute nach meinem Klingeln für mich Platz gemacht haben. Es sind oft viele Kleinigkeiten, manchmal nur ein kleines verständnisvolles oder dankendes Lächeln, aber sie helfen, um unsere Welt ein klein wenig besser zu machen.
    Beim Tierarzt haben wir aber auch schon mal erlebt, dass eine junge Frau mit Kinderwagen und Hund sichtlich überfordert war und mein Freund hielt ihr die Tür auf. Es kam nichts. Kein Danke, kein Lächeln, sie hat uns nicht mal eines Blickes gewürdigt. Und sowas finde ich wirklich schade.

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